POKER INFORMATIONEN

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Poker Strategie - Allgemein

Beim Pokern sind Sie dann erfolgreich, wenn Sie mit der richtigen Strategie an den Tisch gehen und andere Spieler Fehler machen. Dabei spielt die eigene persönliche Strategie eine große Rolle. Bevor Sie aber Ihre eigene Taktik entwickeln können, sollten Sie sich mit den allgemeinen Poker Strategien vertraut machen. Hier möchte ich einige nennen und erläutern. Falls Ihnen das ganze hier zu lang ist können Sie sich den Text auch ausdrucken und in Ruhe lesen.

Jeder fängt mal an. Aber die ersten Schritte müssen nicht schwierig sein. Lesen Sie mehr über:

Einsatzregeln
Buy-ins und Tischeinsätze
Poker-Etikette

Warum Poker eigentlich kein Glückspiel sein kann

Poker besteht aus zwei Komponenten - Glück und Strategie. Das Glück kann man nicht beeinflussen, aber die Strategie und die Spielweise. Hat man kein Glück gibt sich der Poker Spieler damit zufrieden und spielt nicht mit. Hat man Glück muss der Spieler dieses in einen Gewinn umwandeln. Ein guter Pokerspieler schafft es also, aus schlechten unglücklichen Blättern rechtzeitig auszusteigen um den Verlust so gering wie möglich zu halten und aus glücklichen Blättern Kapital zu schlagen. Nur diese Taktik wird dem guten Poker Spieler dauerhaft Gewinn einbringen. Das es funktioniert zeigen uns die vielen Profispieler, die Poker beruflich spielen und damit Ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das wäre bei einem reinen Glückspiel wie Roulette oder beim einarmigen Banditen längerfristig nicht möglich.

Diziplin

Wie schon in den einzelnen Poker Varianten erwähnt, sollten Sie diszipliniert spielen.


Tells

Tells sind Gesten und kleine Bewegungen, die ein Gegner zu seinem Vorteil lesen kann. Es ist ihm dann möglich zu erkennen, in welcher Situation Sie sich befinden.

Outs

Outs sind 'Möglichkeiten' oder 'Auswege' . Sie müssen immer wissen, wie viel Outs Sie haben, das Spiel zu verbessern oder zu gewinnen. An Hand der Outs können Sie später die Pot Odds berechnen und damit die Wette profitabel abschließen.

Pot Odds

Die Pot Odds drücken die Lukrativität einer Wette aus. Stellen Sie sich dazu folgendes Beispiel vor:

Sie gehen in eine Spielbank um Roulette zu spielen. Wenn Sie Ihren Chip auf rot oder schwarz setzen haben Sie eine Chance von 50:50 (wenn man mal die Null vergisst). Gewinnen Sie erhalten Sie 100% Ihres Einsatzes. Diese Wette war neutral, das heißt, würde man diese Wette 10 Millionen Mal am Computer simulieren, würden Sie weder verlieren noch gewinnen.

Nun wollen wir die beim Roulette vom Spieler gehasste Null wieder in das Spiel bringen. Da der Null keine Farbe zugeordnet ist, wird der Spieler, egal ob er auf schwarz oder rot gesetzt hat, nichts gewinnen. Der Vorteil liegt also bei der Bank. Wir setzen also nun 1 Euro auf schwarz und haben nun aber eine etwas geringere Wahrscheinlichkeit zu gewinnen -> 48,5%. Nun simulieren wir am Computer 10 Millionen Spiele -> immer setzen wir einen Euro auf schwarz. Danach haben wir also 10 Millionen Euro eingesetzt und wir erhalten durchschnittlich 9,7 Millionen Euro an Gewinn zurück -> macht einen Verlust von 300.000 Euro. Diese Wette war also negativ, auch wenn es nur 3% waren.

Sie dürfen beim Poker nur die Wetten eingehen, die für Sie lukrativ sind, sonst machen Sie auf Dauer Verlust. Vielleicht fragen Sie sich, wo denn dann das Geld herkommt - nun von den schlechten Spielern, die Fehler machen und diese Pot Odds nicht berücksichtigen.

Berechnung der Pot Odds / Erwartungswert

Dazu benötigen Sie die Outs und die dazu gehörigen Wahrscheinlichkeiten, wie weiter oben erläutert. Wir berechnen nun die Pot Odds an folgendem Beispiel der Pokervariante Texas Holdem:


Ihre Karten


Gemeinschaftskarten

Um das Herz Flush bis zum Ende zu vervollständigen haben wir folgende Outs:

Nun kennen wir die Wahrscheinlichkeit. Jetzt müssen wir dies mit dem Pot in das Verhältnis bringen. Dazu müssen Sie feststellen, wie viel Geld im Pot incl. aller Einsätze liegt. Nun multiplizieren Sie diesen Pot mit Ihrer Wahrscheinlichkeit und erhalten den Betrag, den Sie maximal setzen dürfen. Folgendes Beispiel soll das verdeutlichen:

Hier noch ein zweites Beispiel

Zugegeben, auf den ersten Blick ist das Berechnen der Pot Odds starker Tobak, nach einiger Zeit haben Sie aber die Berechnung im Blut und haben eine gute Grundvoraussetzung um erfolgreich Poker zu spielen.


Free Cards

Free Cards (kostenlose Karten) sind Karten, die Sie oder ein Gegner erhalten, wenn gecheckt wurde. Anfänger neigen dazu bei guten Blättern Free Cards zu verteilen um damit möglichst viele Spieler im Pot zu halten um diese später zu melken. Warum sollten Sie keine Free Cards vergeben? Folgendes Beispiel soll das verdeutlichen:

Beispiel:


Karten des Gegners


Gemeinschaftskarten


Ihre Karten

Sie haben mit A-5 zwei Paare und damit ein richtig gutes Blatt. Ihr Gegner (dessen Karten Sie ja eigentlich nicht kennen) hat ein Flush Draw. Sie sind der Meinung, eine freie Karte verteilen zu müssen, um den Kollegen im Spiel zu behalten, bitteschön:


Karten des Gegners


Gemeinschaftskarten


Ihre Karten

Am Turn ändert sich nicht, weder für Sie noch für den Gegner. Sie setzen nun einen kleinen Einsatz. Der Gegner callt.


Karten des Gegners


Gemeinschaftskarten


Ihre Karten

Jetzt wollen Sie natürlich absahnen was das Zeug hält. Egal was Sie setzen, der Gegner wird nicht bezahlen, da er sein Flush nicht vervollständigen konnte. Sie haben also die Blinds und den kleinen Einsatz am Turn gewonnen. Mit einer solchen Hand eindeutig zu wenig. Sie müssen den Gegner für seine Outs bezahlen lassen, natürlich im Rahmen, dass er nicht vertrieben wird, aber das ganze auch keine billige Tour für den Gegner wird.

Betrachten wir uns die Situation mal aus der Sicht des Gegners: Für ihn konnte es gar nicht besser laufen, denn er konnte kostenlos bzw. ganz billig auf seine Outs warten. Mit 38%-iger Wahrscheinlichkeit hätte er gewonnen, das heißt seine Pot Odds waren mehr als optimal.

Vergeben Sie deshalb niemals Free Cards, monetarisieren Sie Ihre Karte, verdienen Sie Geld mit guten Karten und verlieren Sie kein Geld mit schlechten Karten.

Ausnahmen:

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, gerade dann wenn Sie The Nuts oder ein Mörder Blatt auf der Hand halten. In dem Fall ist das Gewähren einer Free Card OK, aber auch nur einer. Danach sollten Sie die Herren und Damen zur Kasse bitten.

Warum ist hier eine Free Card zulässig?

Bei einem Mörderblatt kann Ihnen nichts oder fast nichts mehr den Appetit verderben. Sie können also anderen Spielern die Möglichkeit bieten, eine für sie bessere Hand zu finden. Findet ein Gegner eine gute Karte, wird es nach der River Card heiß hergehen und Sie konnten Ihr Mörderblatt vergolden. Findet niemand etwas und bestätigt auch niemand Ihren Einsatz haben Sie einfach nur Pech.

Oft beobachten kann ich auch das Provozieren zum Bluffen. Nehmen wir an Ihr Gegner hat vor dem Flop kräftig erhöht. Sie haben bezahlt und treffen den Flop hervorragend. Ihr Gegner wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Einsatz bringen, in der Hoffnung Sie aus dem Spiel zu vertreiben. Haben Sie eine Monsterhand empfiehlt  es sich den Einsatz nur zu callen. Checkt der Gegner nach der Turn Karte, so tun Sie das auch. Vor dem Showdown setzt der Gegner kräftig an, und zwar recht hoch damit er Sie mit einem Bluff aus dem Pot herausdrängt. Dadurch das Sie am Turn gecheckt haben, zeigen Sie dem Gegner das Sie nichts oder nur mittelmäßig getroffen haben. Er nutzt nun die Chance und blufft mit einem hohen Einsatz. Das ganze macht natürlich nur Sinn wenn Sie ein Monsterblatt, möglichst The Nuts, haben.


Slowplay

Mit Slowplay können Sie für Überraschung sorgen. Slowplay bedeutet "langsames Spiel mit guten Karten". Nehmen wir an Sie haben Preflop A-A auf die Hand bekommen. Nach den allgemeinen Strategien sollten Sie mit dieser Hand natürlich raisen um den Pot zu füllen. Im Slowplay spielen Sie diese Erhöhung aber noch nicht aus, Sie möchten den Gegner im Glauben lassen, dass Sie eine schlechte Karte auf der Hand haben.

Slowplay kann auch nach dem Flop gespielt werden, nämlich dann wenn Sie ein Mörderblatt haben. Trifft ein Gegner eine für ihn gute Karte, kann es nach der River Card zu Ihren Gunsten heiß hergehen und Sie kassieren mehr als bei einem Spiel nach Protokoll.

Nachteilig kann es dann werden, wenn Sie durch Ihr Slowplay zu viele Spieler in den Pot locken und jeder nun mal sehen will, was im Flop liegt. Unter Umständen ist Ihr A-A dann schon underdog (unterlegen). Spielen Sie mit diesen Karten slow, so müssen Sie auch jederzeit damit rechnen, die schlechtere Karte im Spiel zu halten. Sie müssen dann bereit sein, die beiden Asse zu folden.

Slowplay sollten Sie ab und zu mit in Ihre Taktik übernehmen, sollte aber nicht Standard werden, denn die Gegner lernen schnell.


Beobachten der Gegner

Beim Poker ist es wichtig, dass Sie Ihrem Gegner niemals die Möglichkeit geben, Ihr Blatt zu erahnen, andererseits ist es wichtig, dass Sie die Gegner kennen und studieren. Gerade bei schlechten Startblättern hat man die Möglichkeit vom Spiel fernzubleiben um die Gegner zu beobachten. Sie sollten also niemals gelangweilt herumsitzen, es gibt immer etwas zu tun.

Als Beispiel: Ich hatte an einem Tisch einen Spieler, der immer mit den Beinen gewackelt hat, wenn er nichts oder nur mittelmäßig getroffen hatte. Das signalisierte mir, das er nervös war. Einmal hatte ich einen Bluff gestartet und einmal habe ich die Karten gefoldet, weil er eben nicht mit den Beinen gewackelt hat. In diesen beiden Fällen habe ich richtig entschieden, den Bluff hat er nicht bezahlt und im zweiten Fall zeigte er mir sein Monsterblatt gegen das ich verloren hätte. Gerade wenn Sie nicht spielen oder es langweilig wird, beobachten Sie Ihre Gegner sehr genau. Was geben Sie für Tells wenn Sie nervös sind, was geben sie für Tells wenn sie ein Monsterblatt haben. Diese Informationen können über Erfolg oder Nichterfolg am Pokertisch entscheiden.


Bad Beat

Ein Bad Beat ist für einen professionellen Poker Spieler eine Karte, die gegen den Favoriten gewinnt. Folgende Situation soll das erläutern:

Sie haben mit A-K eine Super Startkarte auf der Hand, Sie erhöhen preflop, ein Spieler geht mit. Der Flop zeigt A-7-8. Sie haben das Overpair (das höchst mögliche Pärchen) getroffen. Sie setzen kräftig und der zweite Spieler geht mit. Am Turn das selbe Spiel. Nach dem River zeigen die community cards folgendes Bild: A-7-8-10-Q. Sie setzen nun erneut und werden erhöht. Sie zahlen und sehen seine Karten: Q-7, diese gewinnt mit zwei Paaren gegen Ihr As Paar.

Der Gegner hätte nach den allgemeinen Pokerstrategien diese Q-7 preflop nicht mitgehen dürfen, erst recht nicht wenn Sie erhöhen. Gerade und nur deshalb haben Sie verloren. Sie geben natürlich diesem Spieler die Schuld.

Diese Situation ist wirklich nicht einfach, da Sie am liebsten den Gegner erwürgen würden. Sie sollten aber professionell spielen und die Sache zähneknirschend schnell wieder vergessen. Diese Situation darf Sie in weiteren Spielen nicht beeinflussen, das heißt, in der nächsten Runde werden Sie Ihr Overpair gewinnen. Zögern Sie dann, geben Sie schlechten Karten die Möglichkeit doch noch zu gewinnen oder Sie monetarisieren Ihr Blatt nicht.

Das schlimmste was Sie im Falle eines Bad Beats machen können, ist die Lehrer Nummer raushängen zu lassen. Den Gegner zu belehren, das er hier nicht hätte mitgehen dürfen ist höchst unprofessionell. Abgesehen davon wird der Spieler diese Karte wieder spielen und dann verlieren. Und dann werden Sie kassieren, das ist reichlich Genugtuung :-)

Folgendes Blatt stellt auch ein Bad Beat dar, auch wenn es sich um zwei Super Startkarten handelt. Sie haben wieder A-K und erhöhen preflop. Ihr Gegner bezahlt die Erhöhung. Im Flop Liegt A-J-5. Sie haben wieder Overpair und setzen kräftig. ihr Gegner bezahlt und nach der River Karte haben wir folgendes Blatt am Board: A-J-5-2-10. Ihr Gegner erhöht bis zum Umfallen und Sie werden wohl oder übel bezahlen. Ihr Gegner zeigt K-Q. König Dame an sich ist keine schlechte Startkarte, der Gegner hätte aber spätestens am Flop seine Karten folden müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die 10 noch kommt, mit der er den Straight vervollständigen kann, ist zu gering. Würden wir diese Situation eine Million mal am Computer simulieren, würde Ihr Gegner eine Menge Verlust machen und Sie einen Wahnsinns Gewinn. In dieser einen Situation haben Sie zwar gegen einen schlechten Spieler verloren, werden aber mittelfristig an ihm mehr Geld verdienen, als Ihnen lieb ist.

Callen Sie mit A-K ein All-in von einem Gegner mit A-J haben Sie alles richtig gemacht. Trifft der Gegner den Buben in den Community Cards so sind Sie einem Bad Beat unterlegen, die bessere Hand verliert gegen die Schlechtere. Dieses Szenario kommt aber nur aller 5 Spiele einmal vor, das heißt Sie werden 4 mal gewinnen und 1 mal verlieren. Eine bessere Wette können Sie gar nicht abschließen.


Mit Bad Beats umgehen

Ein Bad Beat gehört zum Poker dazu wie das Bluffen. Sie dürfen bei einem unterlegenen Spiel mit favorisierten Karten nicht die Nerven verlieren, denn Sie wissen, dass Ihre Wette positiv war und Sie damit richtig gespielt haben. Natürlich ist es ärgerlich gegen eine Karte zu verlieren, die entweder leicht schlechter ist oder die der Gegner niemals hätte spielen dürfen. In diesem Fall sollten Sie es bei einem scharfen Blick zum Gegner belassen. Professionelle Spieler kalkulieren immer Bad Beats mit ein, das sollten Sie auch. So wird es Ihnen leichter fallen damit umzugehen.

Nicht unberücksichtigt darf man die eigenen Bad Beats lassen. Sie selber werden schneller als Ihnen lieb ist die schlechtere Karte haben und trotzdem damit gewinnen.


Bluffen

Das Bluffen ist ein interessanter Teil des Pokerspiels. Als Bluff bezeichnet man das Vortäuschen einer guten Hand, ausgedrückt durch einen Einsatz. Bluffen ist nicht gleich bluffen, es gibt den reinen klassischen Bluff und Semi-Bluffs. Der interessanteste Aspekt beim bluffen ist herauszufinden, wann man bluffen kann, wann man bluffen sollte und wann man es nicht tun sollte.

Klassischer Bluff

Der Spieler setzt einen Einsatz, er geht davon aus das kein anderer Spieler die Karten getroffen hat bzw. rechnet damit das mittelmäßige Karten den Einsatz nicht bezahlen werden. Dabei spielt die Höhe des Pots und die Höhe des Bluff-Einsatzes eine sehr große Rolle. Nehmen wir an im Pot liegen 200 Chips. Sie möchten nun bluffen und setzen 30 Chips. Sie werden in der Regel von mittelmäßigen Karten gecallt werden, denn der Einsatz ist im Verhältnis zum Pot zu klein. Sie müssen dann schon mind. Half-Pot also 100 Chips oder mehr setzen. Halten Sie den Einsatz zu groß, kann ein sehr guter Spieler den Braten riechen und wird callen. Diese Situationen kann man unter Profispielern im Fernsehen wunderbar verfolgen.

Wird Ihr Bluff-Einsatz erhöht sollten Sie nicht sofort folden. Warten Sie 10-20 Sekunden. Werfen Sie die Karten sofort ab, wissen die Gegner das Sie geblufft haben. Täuschen Sie Zweifel vor und legen Sie die Karten dann widerwillig ab. Machen Sie daraus aber bitte keine Show, das wirkt künstlich und lenkt die Aufmerksamkeit aller Spieler auf Sie. Denn einen verlorenen Bluff sollten Sie so unauffällig wie möglich tarnen.

Situationen, an den Sie Ihr Bluff zeigen sollten, gibt es genug. Es ist aber nicht sinnvoll bei jedem erfolgreichen Bluff die Karten zu zeigen. Der Gegner wird Sie auf die Abschussliste setzen. Wohlmöglich haben Sie bereits den Ärger des ganzen Tisches auf sich gezogen. Zeigen Sie erfolgreiche Bluffs bei ganz schwierigen Situationen oder hohen Pots. Das verschafft Ihnen widerrum den Respekt des Tisches und so schnell wird sich keiner mit Ihnen anlegen. Passen Sie Ihre Strategie nach dem Bluffen an, Sie sollten die nächsten Hände nicht bluffen. Im Gegenteil, nutzen Sie den vorher gezeigte Bluff aus. Warten Sie auf eine Gelegenheit einen erneuten Bluff vorzutäuschen, ein Gegner wird callen und Ihre gute Karte ausbezahlen. In der Regel sollten Sie nur einen guten Bluff pro Abend und Tisch zeigen. Zeigen Sie keine Bluffs, wo der Pot zu gering ist oder wenn Sie durch Erhöhen die Blinds kassieren. Das wirkt affig und verschafft Ihnen keinen Respekt.

Durch das Bluffen verändern Sie Ihr Image am Tisch. Bereits ein gezeigter Bluff macht Sie gegen andere Gegner etwas undurchschaubarer.

Klassischer Bluff mit Gegnereinsatz

Nehmen wir an Sie sind mit drei Gegnern im Spiel. Der Pott beträgt 200 Chips. Der Flop zeigt K-Q-4. Ein Spieler setzt 20 Chips. Ein Spieler foldet weil er den Flop nicht getroffen haben, Sie aber wollen nun einen Bluff aufbauen, da Sie an Hand des geringen Einsatzes der Meinung sind, der Gegner hat kein gutes Blatt. Nun Kommt als Turn die zweite 4 und das Board zeigt damit K-Q-4-4. Nun setzt Ihr Gegner wieder 20 Chips, in der Hoffnung das Sie keine 4 haben. Nun Sie haben aber die 4 (zumindest sollten Sie diese nun repräsentieren) und erhöhen auf 200 Chips. Bei Bluffs mit Gegnereinsatz sollten Sie deutlich mehr als nur die Hälfte des Pots spielen. Übertreiben Sie es nicht. Zurück zum Beispiel: der Gegner denkt sich folgendes: Sie haben nach dem Flop seine 20 Chips bezahlt und nun erhöhen Sie kräftig. In dem Fall besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die 4 haben. Nun, der Gegner wird mit seinem kleinen Damenpaar den Pot verlassen. Tut er es nicht und Sie bekommen einen Call müssen Sie davon ausgehen, dass der Gegner entweder den Bluff durchschaut hat oder der Gegner hofft auf die River Karte. Er checkt und Sie setzen nun 400 Chips, der Gegner wird die Karte fallen lassen wenn er sich nicht verbessern kann.

Natürlich gibt es Spieler die alles bezahlen, egal wie hoch Sie setzen, dann müssen Sie Ihre Spielweise anpassen und sollten nur dann Bluffen wenn der Fisch nicht im Pot verwickelt ist. Sie werden auch einige Bluffs verlieren, nämlich immer dann wenn der Gegner bessere Karten findet oder wenn er den Braten riecht.

Zusammenfassung klassischer Bluff:

Semi-Bluff

Der Smi-Bluff ist ein Bluff mit der Aussicht auf eine Verbesserung der Hand. Folgendes Beispiel: Sie halten K-Q und auf dem Board erscheint J-10-4. Damit haben Sie einen Straight Draw, also die Aussicht auf eine sehr gute Hand. Setzen Sie nun einen Einsatz, so starten Sie einen Semi-Bluff. Der Vorteil hier: Sie können unter Umständen den Pot gleich kassieren oder Sie treiben den Pot in die Höhe um dann entweder den verpassten Draw am Ende zu einem klassischen Bluff auszubauen oder einfach nur mit dem Straight zu gewinnen. Ein Semi Bluff bietet sich immer dort an, wo es eine gute Wahrscheinlichkeit gibt die Hand zu verbessern.

Wird Ihr Einsatz bei einem Semi-Bluff geraist, so sollten Sie an Hand der Pot Odds ausrechnen ob sich das zahlen rechnet. Auch müssen Sie berücksichtigen das der Gegner evtl. schon eine besser Hand hält und Sie drawing dead sind. Folden Sie im Zweifel.


Der richtige Einsatz

Der richtige Einsatz ist essentiell für eine erfolgreiche Pokerpartie. Folgende Beispiele sollen das verdeutlichen:

Beispiel 1: Einsatz und Pot Odds

Sie halten K-Q auf der Hand und ein Gegner callt. Der Flop zeigt 2-4-Q. Sie haben das Top Paar mit einem passablen Kicker. Im Pot liegen 200 Chips. Nun sollten Sie den Einsatz so wählen, das der Gegner bei einer mittelmäßigen Karte callt und bei einer schlechten Karte oder bei schlechten Draws foldet. Sie müssen also seine Pot Odds zerstören. Sie setzen 150 an Chips und Ihr Gegner foldet. Er hatte A-5 auf der Hand. Hätten Sie den Einsatz niedrig gewählt (Bsp.: 50 Chips) hätte der Gegner diesen unter Umständen gecallt. Er hatte das As als Out und die 3 hätte ihm einen Straight gebracht, die Pot Odds haben Sie ihm durch die Höhe des Einsatzes zerstört und ein callen hätte in seinem Fall einen negativen Erwartungswert. Natürlich dürfen Sie die Clowns und Pappnasen am Tisch nicht vergessen, die alles und jeden callen. Da müssen Sie Ihr Spiel anpassen und eventuell noch mehr setzen, damit Sie diese Spieler richtig melken. 

Setzen Sie also bei einer guten Hand einen ordentlichen Einsatz im Verhältnis zum aktuellen Pot um Trittbrettfahrer und mittelmäßige Hände zu verscheuchen. Denn diese können Ihnen unter Umständen durch Free Cards oder durch luschige Einsätze den Pot mit einer besseren Hand am Showdown streitig machen. Dann haben Sie nur um ein paar Chips zu sparen, einen großen Pot verloren. Sie hätten den Pot gleich am Flop mit 200 Chips gewonnen, so haben Sie 500 Chips verloren, ein Minus an 700 Chips.


Beispiel 2: Einsatz und Erwartungswert

Sie halten 7-8 auf der Hand und drei weitere Gegner erleben den Flop mit 5-A-6. Der Pot beträgt 400 Chips. Der erste Gegner, der an der Reihe ist, setzt 200 Chips. Der nächste Gegner bezahlt, der dritte foldet. Nun müssen Sie überlegen was Sie machen. Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit hält einer der beiden Gegner ein As auf der Hand, die 7 und die 8 können Sie also als Out nicht mehr heranziehen. Wenn Sie aber die Strasse treffen, werden Sie diese beiden Gegner schlagen. Auch nicht zu unterschätzen ist Ihre Position. Sie sitzen am Ende der Fahnenstange und haben die Möglichkeit die Einsätze der vorderen Gegner zu erhöhen, was den Erwartungswert noch mal erhöht, auch wenn der Pot noch relativ gering ist. Ihre Chance liegt bei 17% den Straight an der Turn Karte zu erhalten. Der Pot ist bei 800, Sie dürften also theoretisch nur callen wenn der Einsatz 17% oder weniger beträgt, in unserem Fall wären das 136 Chips. Trotz der negativen Pot Odds sollten Sie hier callen, da der zu erwartende Gewinn (durch ein mögliches Raise am Ende) größer ist als es die Odds ausgeben.

Sie callen also und treffen den Straight nicht. Der erste Gegner erhöht auf All-in mit 1026 Chips. Der Pot beträgt 2026 Chips (1000 Chips + der All-in Einsatz). Dem zweiten Gegner wird das zu heiß und verlässt das Spiel. Sie haben nun die Aufgabe zu callen oder zu folden. In diesem Fall werden Sie folden müssen, da Ihr Erwartungswert deutlich negativ ist. Sie können nicht mehr Raisen, wenn Sie den Straight erhalten und was am wichtigsten ist, der zweite Gegner ist ausgeschieden. Sie haben am River auch eine 17%-ige Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, Sie dürften als nach den Pot Odds nur maximal 170 Chips bezahlen. Ein Call des All-ins wäre unverhältnismäßig teuer und an dieser Stelle ein großer Fehler.

Beispiel 3: Einsatz und Pot committed

Sie spielen A-Q und der Gegner erhöht. Sie bezahlen sein Raise. Im Pot sind 1.000 Chips und auf dem Flop kommt K-K-5. Sie treffen nichts und checken erstmal. Der Gegner setzt seine restlichen 400 Chips und geht All-in. Auch wenn Sie hier vermuten, dass der Gegner den Drilling Könige evtl. gefunden hat müssen Sie diese 400 Chips bezahlen, da Sie pot committed sind. Pot committed bedeutet so viel wie "am Pot gefesselt" oder "am Pot involviert". Sie haben bereits zu viel in den Pot investiert um es an diesen 400 Chips scheitern zu lassen. Vielleicht haben Sie ja doch die bessere Hand oder können diese verbessern. Auch muss kalkuliert werden, dass der Gegner gerade wegen des hohen Pots All-in geht um einen Bluff zu spielen und eigentlich nur Schnee auf der Hand hat. Wahrscheinlich hat er den Flop ebenso verpasst wie Sie, eventuell haben Sie die besseren Karten. Sie müssen also hier bezahlen, ob Sie wollen oder nicht, Sie haben bereits 500 Chips preflop bezahlt und benötigen nur noch 400 Chips um evtl. 1.400 Chips zu kassieren. Da auch von Seiten des Gegners keine Action mehr kommen kann, müssen Sie nicht damit rechnen, am Turn und River noch mal bezahlen zu müssen.

Beispiel 4: Einsatz mit Monsterblatt

Das folgende Beispiel wird gern von mir gespielt, es ist einfach die beste Methode um so viel Chips wie möglich vom Gegner zu kassieren. Dabei muss aber das Timing bei Ihnen und beim Gegner stimmen. Nehmen wir an Sie haben K-Q und der Gegner raist. Sie bezahlen. Auf dem Flop kommt 10-J-A. Sie haben mit dem Straight die aktuellen Nuts und auch ist kein Flush oder Full House möglich. Nun können Sie erstmal zum Gegner checken, der ja die Action vor dem Flop begonnen hat. Er soll Ihnen ein Angebot unterbreiten. Der Pot beträgt 1000 Chips und er setzt 500. Nun Sie gehen davon aus das der Gegner etwas getroffen hat, ein hohes Paar, einen Drilling oder zwei Paare. Sie callen. Es kommt die 5, für Sie völlig ungefährlich. Sie checken und der Gegner checkt auch. Nun wundern wir uns warum er checkt, wahrscheinlich wollte er den Pot gleich kassieren oder er hat nur etwas mittelmäßiges auf der Hand. Oder er hat ebenfalls ein Monster und will Sie verunsichern. Gut, wir gönnen Ihm die freie Karte. Es folgt eine 7, Sie haben also nun immer noch The Nuts und müssen vor keiner anderen Karte Angst haben. Sie setzen nun einen Probe-Einsatz in Höhe von 500 Chips. Im Pot sind 2.000 Chips, also sind 500 ideal. Erstens erreichen Sie damit das der Gegner bei einer schlechten oder mittelmäßigen Karte bezahlt um nicht einem Bluff zu erliegen, oder er erhöht weil er nun erst am Ende alle 5 Gemeinschaftskarten kennt und der Meinung ist das sein Buben Drilling das höchste Blatt ist. Nun, der Gegner erhöht auf 1.500 Chips und Sie werden natürlich den Gegner sofort All-in setzen. Er wird bezahlen, er ist am Pot gefesselt und hat zudem mit dem Buben Drilling kein schlechtes Blatt. Voila.


Preflop Raises

Haben Sie eine gute Starthand sollten Sie diese immer sofort erhöhen, natürlich immer in Koordination mit Ihren Gegnerbets. Warum sollten Sie mit guten Karten vor dem Flop erhöhen? Das möchte ich Ihnen an Hand eigener Erfahrung erläutern.

Als ich mit dem Spielen begonnen habe, traute ich mich nicht so richtig, gute Startkarten zu erhöhen. Es musste schon ein hohes Pocketpair sein, bevor ich erhöht habe. Ich habe durch das fehlende Raise sehr viel Pots verloren. Nach einer Weile habe ich mir vorgenommen, genau nach Protokoll zu spielen und gute Starthände immer preflop zu erhöhen. Natürlich muss man die Gegner berücksichtigen, erhöht man um den vierfachen Big Blind und ein weiterer Gegner erhöht nochmal, sollte man natürlich schon überlegen ob die Starthand konkurrenzfähig ist. AJ oder AQ sind zwar schön, bei einem ReRaise sind diese aber fast schon underdog. Wichtig wäre in dem Fall auch zu wissen, wie der Raiser vorher gespielt hat. Erhöht er ständig, so können Sie dieses ReRaise bezahlen. Ist er eher ruhig und spielt kaum Hände wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Monster auf der Hand halten. In diesem Fall sollte man AJ-AQ und darunter abwerfen. Wenn Sie den Raiser auf eine Monsterhand setzen, wird Ihre Karte nicht gewinnen. Selbst wenn der Gegner nur 2-2 auf der Hand hält, haben Sie mit AQ nur eine ungefähre 50:50 Chance. Solche Situationen sollte man eigentlich meiden.

Ich habe nun jede Starthand um den drei- oder vierfachen BigBlind erhöht und hatte schnell festgestellt, dass sich damit eine Menge Pots gewinnen lassen. Die Gründe warum Sie erhöhen sollten: Erstens möchten Sie mit maximal einem Gegner spielen, je mehr Spieler am Pot beteiligt sind, desto weniger wahrscheinlich ist das Sie mit Ihrer Karte gewinnen. Zweitens haben Sie die Action auf Ihrer Seite, das heißt, Sie sind der Aggressor in der Runde und bestimmen ab sofort. Das ist immer dann sinnvoll, wenn Sie den Flop nicht getroffen haben. Der Gegner muss den Flop natürlich auch erstmal treffen. In der Regel sollten Sie einen Einsatz setzen, auch wenn Sie nichts getroffen haben. Oft verschwindet der Gegner unauffällig und der Pot gehört Ihnen. Bezahlt der Gegner Ihren Einsatz müssen Sie damit rechnen das er etwas getroffen hat oder ahnt das Sie nichts gefunden haben. In diesem Fall bleibt Ihnen nur der Bluff mit der Hoffnung das Sie am Turn oder am River noch eine passende Karte finden. Haben Sie beispielsweise AK auf der Hand und Sie treffen den Flop nicht, so haben Sie noch eine 25% Chance, dass der König oder das As bis zum River erscheint. Treffen Sie bis zum River absolut nichts, checken Sie.

Ich beobachte oft, dass gerade neue oder unerfahrene Spieler Ihre preflop erhöhte Karte wie ein Berserker ohne Rücksicht auf Verluste bis zum Showdown spielen oder am nicht getroffenen Flop All-in gehen um die Gegner herauszudrücken. Ein guter Spieler wartet seit Stunden auf diese Gelegenheit und wird bei einem Treffer callen. Das "durchdrücken" der Karte ist kreuzgefährlich und kann den ganzen Stack (Chips, die vor einem auf dem Tisch liegen) kosten. Spielen Sie Ihre guten Startkarten mit einem gesunden Selbstbewusstsein aber immer mit dem Gespür, wann Sie diese Karte folden sollten und wann nicht.

Insgesamt kann man sagen, das Sie auf Dauer durch geraiste Pots Gewinn machen. Einerseits ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, das der Gegner am Flop nichts getroffen hat und durch Ihren Einsatz verschwindet. Oder Sie treffen etwas und melken den Gegner. Treffen Sie nicht den Flop und der Gegner callt, so haben Sie immer noch eine gute Chance eine passende Karte zu finden. In der Summe werden Sie also mit Gewinn vom Tisch gehen, vorausgesetzt Sie haben die Verluste dieser starken Starthände so gering wie möglich gehalten.

Bluffen nach Preflop Raise

Da jeder halbwegs gute Spieler nach einem Raise am Flop anspielt, können Sie unter Umständen bluffen. Nehmen wir an ein Gegner hat preflop erhöht, Sie haben bezahlt. Es erscheinen drei Zahlen im Board (Bsp.: 2-4-7) oder ein Paar (Bsp.: 2-7-7) dann können Sie davon ausgehen das der Gegner nichts getroffen hat, genauso wie Sie. Im Pot sind 400 Chips und der Gegner setzt 100 Chips. Das ganze riecht dann schon danach, dass er nichts getroffen hat. Sie können nun durch ein angemessenes Raise versuchen die 500 Chips sofort zu kassieren. In dem Fall würde ich persönlich auf 500 Chips erhöhen, so dass der Gegner zweimal überlegen wird ob er hier callt. Hat er nichts getroffen und durchschaut er Ihren Bluff nicht, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit den Pot fallen lassen und Sie haben Zahltag. Haben Sie Berserker am Tisch wird sich ein Bluff nicht lohnen, da diese alles bezahlen würden.

Die Höhe des Raises beim Bluff ist mehr als entscheidend. Sie signalisiert dem Gegner was Sie auf der Hand haben. Würden Sie den Bet von 100 Chips des Gegners mit einem Raise auf 200 entgegnen, würde dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit bezahlen, denn diese 100 Chips mehr sind im Verhältnis zum Pot für Ihren Gegner gerechtfertigt. Sie geben ihm dadurch eine weitere Karte und könnten sich im weiteren Spielverlauf verzetteln. Erhöhen Sie also immer gleich und kräftig, idealerweise immer die Höhe des Pots (+-20%). Es muss dem Gegner sichtlich weh tun, diese Erhöhung zu bezahlen.

Wird Ihr Bluff ständig durchschaut, weil Sie diese Art von Bluff immer durchziehen, sollten Sie dann vielleicht doch zum Rommé oder Skat wechseln.


Den Gegner spielen

Man hört es oft, viele Pokerspieler reden von "ich habe den Gegner gespielt". Das bedeutet das die Entscheidungen im Pokerspiel nicht an Hand der Karten sondern an Hand der Eigenschaften des Gegners getroffen wurden.

Wenn Sie die Spielweise der Gegner kennen, können Sie dieses Wissen zu Ihrem Vorteil ausnutzen. Sie können auf jede Art von Reaktion des Gegners reagieren und ein Bluff wird schnell erfolgreich. Kennen Sie die Gegner nicht oder nicht ausreichend sollte das Spielen des Gegners unterlassen werden. Auch sollten Sie natürlich vorwiegend die Karten spielen, aber ab und zu lässt sich ein Pot durch das Spielen des Gegners kassieren.

 

Weitere Strategien werden in Kürze folgen. In den Poker Varianten finden Sie tlw. speziellere Strategien.